Häuser mit Reetdächern sind lebende Kulturdenkmäler und prägen das norddeutsche Landschaftsbild. Sie gehören als Reetdachbesitzer zu den Menschen, die diese Kultur pflegen und erhalten!

Häufig gestellte Fragen


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Wie viele Dächer sind von vorzeitiger Alterung betroffen?

Diese Frage beschäftigt immer noch die gesamte Branche. Die Reetdächer in Deutschland sind vorwiegend in den drei Küstenländern der Bundesrepublik zu finden. Es handelt sich zumeist um alte Bauernhöfe oder Gebäude, die in Anlehnung an diese Höfe in ähnlicher Weise erstellt wurden. Viele Reetdächer wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch Wellplatten- oder Blecheindeckungen verändert. Glücklicherweise gibt es auch einen Gegentrend, so dass sich die Zahl der Reetdächer in Norddeutschland ständig ändert. Trotz intensiver Nachfrage bei Kreisbauämtern, Gebäudeversicherern etc. ist es uns nicht gelungen verlässliche Zahlen zu ermitteln. Nach wie vor scheint jedoch ein Gesamtbestand von ca. 30.000 bis 50.000 Reetdächern realistisch zu sein.

Der QSR sind seit Anfang 2006 mittlerweile ca. 200 Dächer angezeigt worden. Es ist jedoch eine gewisse Dunkelziffer zu erwarten. Derzeit geht man vorsichtshalber von ca. 1000 schadhaften Reetdächern aus.

Wir ordnen unter dieser Frage Dächer ein, die einer gewissen Symptomatik unterliegen. Hierunter fallen Dächer, die z.B. innerhalb der ersten 15 Jahre einen deutlichen Verschleiß aufweisen, der die Lebenserwartung des Daches unter 20 Jahre verschiebt. Dächer der Altersklasse größer als 20 Jahre können wegen der Vielzahl der Einflussfaktoren nicht ohne Weiteres beurteilt werden. Die vorzeitige Alterung kann dabei lediglich einzelne Bunde betreffen, einzelne Dachflächen oder sogar gesamte Dächer.

Dächer mit einzelnen schadhaften Bunden gab es seit jeher und fallen daher nicht unter diese Symptomatik.

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Sind „Pilze“ die Ursache für „frühzeitige Schäden“ an Reetdächern?

Der Vorgang der „vorzeitigen Alterung“ bei Reetdächern ist im Kern ein Verrottungsprozess. Verrottungsprozesse finden seit jeher in Reetdächern statt. Einzig die Geschwindigkeit dieser Abbauprozesse ist unterschiedlich. Die Ursache für eine gesteigerte Abbaugeschwindigkeit ist eine erhöhte Feuchtigkeit in der Reetschicht oder in der vorangegangenen Verfahrenskette, z.B. der Ernte, der Lagerung oder des Transports.

Bei Verrottungsprozessen sind immer Pilze beteiligt und die betroffenen Dächer besitzen meist einen auffällig pilzartigen bzw. modrigen Geruch. So kommt der Sprachgebrauch zustande, „das Dach hat einen (den) Pilz“. Die These eines „neuen Killerpilzes, der die Dächer befällt“ bzw. industrieller Herkunft sei, konnte selbst nach 2-jähriger belegbarer Forschungsarbeit anerkannter führender Institute nicht bestätigt werden.

Die schädigenden Organismen sind z.B. aus dem Holzschutz bzw. der Forschung bekannt und können überall vorkommen. Sie benötigen allerdings für ihre Entstehung und fortgesetzte schädigende Wirkung bestimmte Umgebungsbedingungen. Hierbei ist insbesondere die Feuchtigkeit maßgebend.

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Wie kann ich mein neues Dach vor vorzeitiger Alterung schützen?

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass bei der fachgerechten Verarbeitung von gutem Material die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung sehr gering ist.

Ein nicht unerheblicher Anteil der vorzeitigen Schäden bei Reetdächern hat konstruktive Ursachen. Beispielhaft seien hier nur zu geringe Dachneigungen oder fehlende Hinterlüftungen bzw. Dampfsperren genannt. Bei Einhaltung aller konstruktiven Vorgaben und aller Qualitätskriterien an das Material, die im Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks beschrieben sind, wird ein Reetdach auch in Zukunft die üblichen Standzeiten erreichen können.

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Wie kann ich erkennen, ob mein Dach vorzeitig altert?

Das Phänomen der vorzeitigen Alterung ist im Kern ein Verrottungsproblem. Verrottungsvorgänge finden jedoch auch im gesunden Reetdach statt. So gestaltet es sich schwierig die beiden unterschiedlichen Vorgänge voneinander zu unterscheiden. Im Normalfall sollten Sie sich den Rat Ihres Reetdachdeckers einholen. Denn nur bei einer Begehung des Daches kann zuverlässig festgestellt werden, ob es sich um das Phänomen der vorzeitigen Alterung handelt. Die Begehung sollte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Als Indiz für eine Schädigung können dunkle Flecken in der Dachfläche, eine glibberige Algenschicht auf der Dachfläche, zerfallenes matschiges Reet bzw. stark feuchtes Reet genannt werden. Die Moosbildung hat sich nicht als sicherer Indikator herausgestellt. Sie bildet sich auch auf gesunden Dächern und kann teilweise – je nach Moosart – auch schützend wirken.
Dächer, die älter als 20 Jahre sind, fallen im Regelfall nicht unter die Kategorie „vorzeitige Alterung“.

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Welche chemischen Behandlungsmittel sind für Reetdächer geeignet?

Reet ist einer der letzten Baustoffe, die mit Recht als ökologische Baustoffe bezeichnet werden dürfen. Das Material wird in keiner Weise industriell bearbeitet, sondern wird auf direktem Weg von der Erntestätte auf das Dach gebracht. Diesen ökologischen Anspruch zu erhalten, ist unter anderem Ziel des Reetdachdeckerhandwerks.

Derzeit gibt es keine chemischen Behandlungsmittel zur Pilzbekämpfung, die eine Zulassung für den Einsatz auf Reetdächern besitzen. Sehr wohl sind Biozide oder andere Algen- und Moosentferner auf dem freien Markt erhältlich, die jedoch für den Einsatz auf Reetdächern nicht vorgesehen sind. Bei vielen Produkten handelt es sich in erster Linie um Reinigungsmittel. Grundsätzlich ist ein sauberes und gepflegtes Dach in besserem Zustand und wird voraussichtlich eine höhere Lebenserwartung erreichen.

Das Reetdachdeckerhandwerk – bzw. die Innungsbetriebe – haben im Mai 2008 im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum in Molfsee ein Versuchsdach eingerichtet, das exemplarisch die Wirkung eines zugelassenen chemischen Spritzmittels im Langzeitversuch zeigen wird. Wir werden Ihnen die entsprechenden Ergebnisse auf dieser Seite zur Verfügung stellen.

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Wie lange gibt es das Phänomen der vorzeitigen Alterung von Reetdächern?

Vorzeitig alternde Reetdächer sind nach unseren Recherchen erstmals in einem Forschungsbericht aus dem Jahre 1938 erwähnt worden. Ob es sich dabei um dasselbe Phänomen handelte, ließ sich leider nicht feststellen. In England jedoch stellte man die Problematik verkürzter Lebenserwartungen bei Reetdächern bereits in den 70er Jahren fest. Hier wurde als Ursache einerseits die nicht fachgerechte Ausführung als auch die mangelhafte Qualität des Materials beschrieben.

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Wie kann ein Gutachten zu den vorhandenen Pilzen eigentlich weiterhelfen?

In vielen Fällen schadhafter Reetdächer werden Biologen hinzugezogen. Oftmals erhalten die Bauherren daraufhin ein Gutachten, in dem eine Vielzahl von Organismen aufgeführt und benannt werden. Doch wie geht es nun weiter, fragt sich der ratlose Bauherr. In der Tat hilft Ihnen ein Gutachten zur Bestimmung der Pilze nur begrenzt weiter. Die Schäden am Dach können direkt durch Inaugenscheinnahme festgestellt werden und die Beseitigung der Schäden liegt ebenfalls nicht in den Händen der Biologie, sondern in Händen der Bautechnik. Zerstörtes Reet muss entfernt werden. Es kann nicht wieder reaktiviert werden. Die Kenntnis der beteiligten Organismen hilft Ihnen dabei nicht weiter.

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Woran erkenne ich gutes Reet?

Gutes Reet ist von gelber bis brauner Farbe. Es ist trocken und raschelt daher deutlich, wenn man es in die Hand nimmt. Es soll dabei einen festen Griff haben. Reet soll nicht brüchig sein. Wenn Sie einen Reethalm knicken, sollte er nicht stumpf abbrechen. Optimaler Weise hat ein Reethalm eine relativ ebene Oberfläche, die im besten Falle wächsern glänzend ist.
Leichte graue bis schwarze Flecken sind zumeist Verunreinigungen und stellen keine Beeinträchtigung des Reets dar. Das Reet sollte blattfrei und sauber sein. Sie erkennen daran die Qualität der Säuberung und des pfleglichen Umgangs mit dem Reet direkt nach der Ernte. Zudem ist die Blattmasse ein Indiz für den Reifegrad des Reets zum Zeitpunkt der Ernte.

In der Praxis haben sich Halmdurchmesser von 4 bis 6 mm als bevorzugte Ware herausgestellt. Sie sind ausreichend grob für eine gute Abtrocknung nach Niederschlägen und ausreichend fein um ein harmonisches Deckbild herstellen zu können.

Lassen Sie sich von Ihrem Reetdachdecker bzw. Ihrem Händler die Kontrolle und die Eignung der Ware bestätigen.

Die QSR arbeitet zurzeit an der Ermittlung von zulässigen Grenzwerten, die eine messbare Beurteilung der Ware zulassen. Parallel dazu wird an der Entwicklung von Schnelltestmethoden gearbeitet. Der erste Grenzwert, der von allen Seiten akzeptiert wurde, ist die Feuchtigkeit. Hiernach soll der Wassergehalt des Reets nicht über 18 % liegen. Oftmals werden zur Kontrolle dieses Wassergehalts Stechlanzen, wie sie aus der Landwirtschaft bekannt sind, auf der Baustelle verwendet.

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Welche Lebenserwartung hat ein Reetdach?

Die Meinungen über dieses Thema gehen weit auseinander. Oft wird den Bauherren von bis zu 100 Jahren Haltbarkeit berichtet. Nach unseren Ermittlungen ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Je nach Ausrichtung der Dachfläche, der Lage des Hauses, der Nutzung des Hauses, der Materialqualität, der handwerklichen Verarbeitung und insbesondere der Gestaltung der Dachflächen durch Kehlen und Gauben variiert die Lebenserwartung erheblich. Die falsche Anordnung von Gauben – z.B. in der Nähe von Kehlen – oder eine zu geringe Dachneigung lassen die Lebenserwartung dieser Bereiche standardmäßig auf unter 20 Jahre sinken. Währenddessen ist für eine gut belüftete und sonnenreiche Dachfläche mit sehr steiler Dachneigung eine Lebenserwartung von über 60 Jahren keine Seltenheit.

Sie sehen also, dass eine generelle Aussage zur Lebenserwartung von Reetdächern nur ein Kompromiss darstellen kann. Das Reetdachdeckerhandwerk geht daher von einer mittleren Lebenserwartung von 30 Jahren aus.