Häuser mit Reetdächern sind lebende Kulturdenkmäler und prägen das norddeutsche Landschaftsbild. Sie gehören als Reetdachbesitzer zu den Menschen, die diese Kultur pflegen und erhalten!

Bauphysik


Das Dachgeschoss wurde in früheren Generationen hauptsächlich als Lagerraum oder gar nicht genutzt. Heutzutage ist Wohnraum teuer und so gewinnt der Ausbau eines Dachgeschosses immer stärker an Bedeutung. Die neuen bauphysikalischen Anforderungen an solche Dachkonstruktionen sind nicht allen Menschen bekannt oder werden teils aus rein monetären Gründen nicht berücksichtigt. Dies kann fatale Folgen für die Haltbarkeit eines Reetdaches haben.

Das organische Material eines Reetdaches ist anfällig für eine ständige Überfeuchtung. Die erhöhte Feuchtigkeit führt zur Einleitung von Verrottungsvorgängen ähnlich denen eines Komposthaufens. Die Standzeit solcher dauerfeuchten Dachdeckungen kann unter 10 Jahren betragen.

Der Unterschied zu der Befeuchtung aus der Bewitterung besteht darin, dass die Niederschlagsfeuchtigkeit abhängig z.B. von Dachneigung oder Halmdurchmesser nur ca. 5 bis 8 Zentimeter eindringt, also quasi nur die Oberfläche beansprucht. In dieser Ebene der Reetdachdeckung ist eine rasche Austrocknung sicher gewährleistet und es wird zu keiner Dauerfeuchtigkeit kommen.

Bei konstruktiven oder bauphysikalischen Fehlern an Reetdächern findet eine Anreicherung von Feuchtigkeit in den tieferen Schichten des Daches statt. Diese Stellen sind im Schichtenpaket durch die guten Wärme isolierenden Eigenschaften des Materials so gut vor der notwendigen Austrocknung geschützt, dass die Eindeckung ständig zu feucht ist. Es bildet sich ein idealer Nährboden für eine Vielzahl von Mikroorganismen, die wiederum die Rottevorgänge nach sich ziehen.

Um solche Schäden zu vermeiden sollten Sie folgende Grundsätze niemals vernachlässigen:

  • Die Dachneigung sollte 45° nicht unterschreiten. Je steiler, desto höher die Lebenserwartung.

  • „Ein Reetdach muss atmen können“ sagt eine alte Weisheit. Das heißt, dass eine Hinterlüftung der Reetdachdeckung zwingend erforderlich ist. Diese Luftschicht muss mindestens 6 cm stark sein. Viele Fachleute favorisieren jedoch mittlerweile wieder eine Luftschicht von ca. 10 cm.

  • Wenn die vorgenannte Luftschicht sowohl an der Traufe als auch im Firstbereich eine Zu- bzw. eine Abluftöffnung besitzt, sind optimale Lüftungsbedingungen geschaffen worden. Eine dauerhafte Durchfeuchtung des Reets ist quasi unmöglich.

  • Wird ein Dachgeschossausbau geplant, so sollte analog zu normalen Dächern in der Schichtenfolge eine Dampfsperre einplant und eingebaut werden. Hierbei ist insbesondere auf luftdichte Anschlüsse zu achten, damit die feuchte warme Luft aus dem Innenraum nicht direkt an die Reetdachdeckung strömen kann.

Der Ausbau eines Dachgeschosses ist ein komplexes Thema, das im Zusammenhang mit der wärmedämmtechnischen Gebäudesanierung ein hohes Niveau an Fachwissen erfordert. Daher sollten solche Maßnahmen nur mit Beteiligung von Fachhandwerkern und –planern ausgeführt werden.