Häuser mit Reetdächern sind lebende Kulturdenkmäler und prägen das norddeutsche Landschaftsbild. Sie gehören als Reetdachbesitzer zu den Menschen, die diese Kultur pflegen und erhalten!

Chronologie


Im Herbst des Jahres 2005 gingen die ersten Meldungen unserer Mitgliedsbetriebe in der Geschäftsstelle ein, aus denen hervorging, dass einige Dächer vorzeitige Verrottungs­erscheinungen aufweisen. Das Alter dieser Dächer variiert zwischen 5 Jahren und 15 Jahren. Inzwischen sind bereits Dächer bekannt, die bereits im ersten Jahr erste Anzeichen aufweisen.

Die bauphysikalische Konstruktion dieser Dächer war unterschiedlich, es handelte sich sowohl um ausgebaute als auch ungenutzte Dachgeschosse . Die Ursachen wurden zunächst in der Bauweise der Dächer, z.B. fehlende Dampfsperren, flache Dachneigungen, fehlende Hinterlüftung vermutet.

Während dieser Recherchen entstand der Kontakt zu mehreren Reetfachleuten. Nach deren Meinung handelte es sich nicht um ein vorrangig bauphysikalisches Problem, sondern um Verrottungsschäden, die durch einen Pilz verursacht würden.

Aus diesem Grunde arrangierte der Landesinnungsverband (LIV) im Herbst 2005 ein gemeinsames Treffen unter der Beteiligung diverser Fachleute sowie dem Vorstand der Reetdachdeckerinnung für den Kammerbezirk Flensburg. Bei der Besichtigung der Dächer vor Ort wurde die Vielschichtigkeit des Problems festgestellt. Man verständigte sich auf eine enge Zusammenarbeit.

Die seinerzeit geäußerten Vermutungen waren wenig konkret und ließen keinen klaren Weg für das zukünftige Handeln erkennen.

Im November wurde auf der Innungsversammlung der Reetdachdecker in Husum auf die Dringlichkeit dieses Problems und die möglichen Konsequenzen für die gesamte Reetdachbranche hingewiesen.

Den Winter nutzte der LIV zur Beschaffung und Sammlung von Informationen. Eine Reihe von Dächern wurde indessen besichtigt und dabei ein Überblick gewonnen, wie sich das Schadensbild bemerkbar macht bzw. erkannt werden kann.

Auf Grund dieser Informationssammlung stellte der LIV im Frühjahr 2006 auf der Versammlung der Bundesfachgruppe Reet des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks in einem Vortrag die vorgenannte Problematik und Entwicklung dar.

Die gewonnen Erkentnisse sollen nun Eingang in ein wissenschaftliches Forschungsprojekt finden.

Der finanzielle Aufwand für die erforderliche Grundlagenforschung ist relativ hoch und sollte von allen beteiligten Gruppen gemeinsam bewältigt werden. Diese Gruppen sind Reetdachhandel (bzw. Reeterzeuger), Reetdachdecker und Reetdachbesitzer. Ebenso ist zu prüfen, ob nicht das Reetdach als Teil unserer Kulturlandschaft im Blickpunkt des öffentlichen Interesses steht, so dass für diese Forschungen eventuell Fördergelder zur Verfügung stünden.

Mittlerweiler haben sich sowohl die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die beteiligten Ministerien und Fachämter als auch die Reethändler und das Reetdachdeckerhandwerk über eine Kooperation verständigt.